24.8.13

66. Filmfestival Locarno: Preise

Wir haben nicht alle Filme gesehen, die Preise bekamen, und hatten auch am Sonntag keine Lust, alle zu sehen – nicht nur, weil uns zu Ohren gekommen war von anderen ZuschauerInnen, dass etwa der Film „Historia de la meva mort“ (Albert Serra, Spanien/Frankreich), in dem ein alternder Casanova und Dracula aufeinandertreffen, furchtbar schlecht gewesen sei, wir hörten, er sei sehr langweilig ... nun, er bekam den „Pardo d’oro im Concorso Internazionale“, also den goldenen Leoparden. Vielleicht war er also doch gut, vielleicht .... wir können es nicht sagen. Was wir aber wissen, ist dies: Die Entscheidungen der Jury gehen selten mit den eigenen Präferenzen einher – außer letztes Jahr, als Père das Festival noch leitete und „La Fille de Nullepart“ den goldenen Leoparden gewann, den auch wir präferierten.

Die diesjährige Jury fällte unserers Erachtens seltsame Urteile, als Beispiel wollen wir einen Film erwähnen, der ebenfalls eine Mention Spéciale der Jury gewonnen hat. Manakamana. Handlung: Ein alter Nepalese sitzt mit einem Kind (seinem Enkel?) in einer Gondel, die aufwährts fährt. Sein Gesicht ist undurchdringlich. Nichts regt sich. Starre. Man vermutet, jemand habe in der Gondel eine Webcam aufgestellt. Die Gondel fährt und fährt (aus dem Programm weiß man, sie fährt  zu einem Tempel auf irgendeinem nepalesischen Berg) und fährt, in Echtzeit, rumpelt über Umlenkrollenmasten, fährt, fährt, nichts ändert sich in der Miene des Mannes oder des Kindes, nichts bewegt sich außer der Gondel, die Gondel fährt ins Dunkel der Station, man sieht Dunkel, Dunkel, hört Geräusche, Stimmen, das Licht ist miserabel. Nach einer Weile erscheint die Gondel wieder, auf dem Sitz ist jetzt eine Frau, die bergab fährt. In Echtzeit. Die Stellen, an denen es rumpelt, kennen wir jetzt schon. Echtzeit. Die Gondel fährt unten ein, Dunkel, Dunkel, es kracht und rumpelt, es rumpelt und kracht, die Gondel fährt wieder aus der Station nach oben, wieder sitzt jemand anderer in der Gondel und wieder geht es hinauf in Echtzeit. Undsoweiter. Wir wissen nicht, wieviele Personen noch auf- und abfuhren (da eine Fahrt ca. 15 oder 20 Minuten dauerte, waren es in zwei Stunden maximal acht), ob es noch lange so weiter ging, ob es meditativ sein sollte vielleicht, uns in dieselbe heilige Erwartung bringen sollte und Erleuchtung wie – möglicherweise - die Gondelpassagiere – wir wissen es nicht, wir waren nicht meditativ genug und verließen den Saal.
Auch eine Webcam hätte diese Arbeit problemlos erledigen können. Vielleicht aber haben wir irgendeinen glänzenden Schluss verpasst, wer weiß.

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