3.12.09
Stress? Schaff dir eine
Stressbremse! Selbstenschlüpfend
nach neun Monaten.
Essen erschöpft, erfreut!
Windeln wollen wir wechseln,
uns schön stark schlafen.
Stressbremse! Selbstenschlüpfend
nach neun Monaten.
Essen erschöpft, erfreut!
Windeln wollen wir wechseln,
uns schön stark schlafen.
Labels: Haiku
29.11.09
27.11.09
Renga 31
rasande grenar
rasslande fönsterrutor
gråskalad svartnatt
(therese)
rasslande fönsterrutor
gråskalad svartnatt
(therese)
vorläufige Übersetzung:
wütende äste
rasselnde fensterscheiben
grauschattierte schwarznacht
(von mahlin und madlen)
wütende äste
rasselnde fensterscheiben
grauschattierte schwarznacht
(von mahlin und madlen)
Labels: Renga
23.11.09
Poesiefrühstück mit Angelika Janz in Klempenow
Wir berichteten gestern live von Klempenow, aber das Internet hat uns im Stich gelassen und das Foto ist nie angekommen. Wird nachgereicht.
Ein Poesiefrühstück ist vielleicht die schönste Art, einen Sonntagvormittag zuzubringen. Erst mal gemütlich Kaffee trinken und essen im wunderschönen Burgambiente und dann Gedichte hören.
Angelika Janz ist eine wunderbare Text-Performerin. Ihre dichterisches Werk besticht einerseits durch seine Kontinuität, andererseits durch immer neues Experiment. Die Texte, die sie am Sonntagmorgen las, waren sehr dicht, intensiv, auf ein Wesentliches reduziert, das sich nach und nach erschließt. Gedichte mit vielen Ebenen, die schon beim ersten und zweiten Hören eine starke Wirkung haben und berühren. In die Gedichte in ihrer schriftlichen Form einzutauchen, bringt neue Entdeckungen; das ist beispielsweise möglich im Poetenladen oder bei einem langen Blick in eines ihrer Bücher. Angelika Janz ist bekannt für ihre Fragment-Texte, ja für ihre Fragment-Poetologie.
Durch ihre starke Präsenz war die Lesung für die ZuhhörerInnen ein intensives Hörerlebnis.
So sollten alle Sonntage sein.
Ein Poesiefrühstück ist vielleicht die schönste Art, einen Sonntagvormittag zuzubringen. Erst mal gemütlich Kaffee trinken und essen im wunderschönen Burgambiente und dann Gedichte hören.
Angelika Janz ist eine wunderbare Text-Performerin. Ihre dichterisches Werk besticht einerseits durch seine Kontinuität, andererseits durch immer neues Experiment. Die Texte, die sie am Sonntagmorgen las, waren sehr dicht, intensiv, auf ein Wesentliches reduziert, das sich nach und nach erschließt. Gedichte mit vielen Ebenen, die schon beim ersten und zweiten Hören eine starke Wirkung haben und berühren. In die Gedichte in ihrer schriftlichen Form einzutauchen, bringt neue Entdeckungen; das ist beispielsweise möglich im Poetenladen oder bei einem langen Blick in eines ihrer Bücher. Angelika Janz ist bekannt für ihre Fragment-Texte, ja für ihre Fragment-Poetologie.
Durch ihre starke Präsenz war die Lesung für die ZuhhörerInnen ein intensives Hörerlebnis.
So sollten alle Sonntage sein.
Labels: Deutschsprachige Lyrik
21.11.09
Polenmarkt: Jazz-Konzert Marcin & Bartlomiej Brat Oles
Das Konzert dre Zwillingsbrüder im Café Koeppen war/ist fulminant, auch wenn man es nicht in der ersten oder zweiten Reihe genießen sollte. Der Anfang war sehr lyrisch, phantasievoller, zeitgenössischer Jazz mit minimalistischen Anklängen. Kontrabass und Schlagzeug, ein ungewöhnliches Duo, eine außergewöhnliche Art der Improvisation. Am Anfang glaubte man den Wind zu hören oder sonst eine Naturerscheinung, womöglich sogar irgendwo „da draußen“, einfach toll, schräg, der Kontrabass (Marcin Oles), mit dem Bogen gestrichen, erinnerte in manchen Momenten fast an elektronische Musik, dann wieder klang er geradezu wie eine Pferdekopfgeige, im nächsten Moment wieder so, wie man den Jazz-Kontrabass kennt. Faszinierend, eindringlich und dissonant, ja bewegend.
Bartlomiej Brat Oles (Schlagzeug) spielte fast mit der Energie eines Paolo Ventaccia, mit einem unheimlichen Tempo an den Becken (rechte Hand), während er mit den Füßen und der linken Hand weitere Kunststücke vollbrachte. Was sich die Zuhörerin gewünscht hätte: ab und an mehr vom minimalistischen Stil des Kontrabassisten, und mehr Soli des Kontrabassisten.
Die geballte Energie des Schlagzeugers war beeindruckend, sein Spiel war auch sehr differenziert, phantasievoll, aber der hier Schreibenden fällt jetzt der Klischee-Satz ein: Weniger wäre mehr gewesen, wenigstens ab und zu. Das Publikum applaudierte begeistert, es erging wohl nicht allen so, nur den mit den zarten Ohren. Ist also alles subjektive Geschmackssache. Es kann nicht bestritten werden, dass innovative Virtuosen am Werk waren.
Wie es nach der Pause weiterging, können wir nicht berichten, da eben die Ohren eine Pause brauchten. Wir nehmen gerne anders lautende Kommentare (vor allem von Leuten, die sich mit Jaz wirklich auskennen) entgegen. Genossen hat die hier Schreibende dieses Konzert mit all seinen klanglichen und rhythmischen Überraschungen allemal.
Ein fulminanter Auftakt zum Polenmarkt! Also nix wie hin zu den nächsten Veranstaltungen.
Bartlomiej Brat Oles (Schlagzeug) spielte fast mit der Energie eines Paolo Ventaccia, mit einem unheimlichen Tempo an den Becken (rechte Hand), während er mit den Füßen und der linken Hand weitere Kunststücke vollbrachte. Was sich die Zuhörerin gewünscht hätte: ab und an mehr vom minimalistischen Stil des Kontrabassisten, und mehr Soli des Kontrabassisten.
Die geballte Energie des Schlagzeugers war beeindruckend, sein Spiel war auch sehr differenziert, phantasievoll, aber der hier Schreibenden fällt jetzt der Klischee-Satz ein: Weniger wäre mehr gewesen, wenigstens ab und zu. Das Publikum applaudierte begeistert, es erging wohl nicht allen so, nur den mit den zarten Ohren. Ist also alles subjektive Geschmackssache. Es kann nicht bestritten werden, dass innovative Virtuosen am Werk waren.
Wie es nach der Pause weiterging, können wir nicht berichten, da eben die Ohren eine Pause brauchten. Wir nehmen gerne anders lautende Kommentare (vor allem von Leuten, die sich mit Jaz wirklich auskennen) entgegen. Genossen hat die hier Schreibende dieses Konzert mit all seinen klanglichen und rhythmischen Überraschungen allemal.
Ein fulminanter Auftakt zum Polenmarkt! Also nix wie hin zu den nächsten Veranstaltungen.
Polenmarkt 2009, Eröffnung
Der Polenmarkt 2009 ist eröffnet. Viele schöne Reden, Prosa, Lyrik und Dialog. Alles da. Das literarische Café im Koeppenahus war voll besetzt, die ukrainische Schriftstellerin/Übersetzerin/Journalistin Natalia Sniadanko und der polnische Lyriker und Übersetzer Jakub Ekier waren interessante Gesprächspartner, die auch auf komplizierte Fragen eine Antwort fanden. Es war viel von Grenzen die Rede, von sichtbaren, von unsichtbaren, ob die aber auch in der gelesenen Literatur zu finden waren, lässt sich aus ZuschauerInnensicht nicht leicht beantworten. Auch an Kafka waren die Moderatoren (Prof. Wöll, der eine sehr entspannte Einführung machte, sowie Roman Dubasevych, beide Slawistik/Ukrainistik) sehr interessiert, weil sowohl Jakub Ekier als auch Natalia Sniadanko Kafka übersetzt haben, der eine den Prozess, die andere das Schloss. Beide entdeckten beim Übersetzen den Humor bei Kafka, so dass wir uns jetzt dessen Romane noch einmal vornehmen werden, da uns der Humor bei der schon länger zurückliegenden Lektüre irgendwie entgangen war.
Natalia Sniadanko bemerkte, dass die Globalisierung in punkto Literatur sich unter Umständen eher nachteilig auswirke, weil sich auch die Schreibstile immer mehr anglichen und es immer schwieriger werde, das Besondere zu finden. Muss man mal drüber nachdenken.
Interessant waren die Einblicke oder muss man sagen das Einhören in Natalia Sniadankos neuen Roman, die sehr eindrückliche Schilderung der Schlachtzeremonie, wenn man so sagen darf, in einer an diese Dinge gewöhnten Familie wird man nicht so schnell vergessen. Jakub Ekier las seine Gedichte in der deutschen Übersetzung, sodann auf Polnisch, auch für nicht Polnisch-Sprechende immer ein wunderschönes Hörerlebnis. Dass die polnische Sprache von Manchen als „ ewiger Herbst“ (oder so ähnlich) bezeichnet werde, erwähnte er, bevor er begann zu lesen, ein sehr treffendes Klang-Bild. Dass seine Gedichte als haikuverwandt empfunden wurden, schien ihm nicht zu behagen. Dennoch ist es gerade das Reduzierte, Konzentrierte, was seine Gedichte, zumindest beim ersten Hören, auszeichnet.
Ein gelungener Einstieg in die polnische und ukrainische Kultur/Literatur zum Beginn des Polenmarkts. Und gleich geht's weiter mit dem Eröffnungskonzert.
Natalia Sniadanko bemerkte, dass die Globalisierung in punkto Literatur sich unter Umständen eher nachteilig auswirke, weil sich auch die Schreibstile immer mehr anglichen und es immer schwieriger werde, das Besondere zu finden. Muss man mal drüber nachdenken.
Interessant waren die Einblicke oder muss man sagen das Einhören in Natalia Sniadankos neuen Roman, die sehr eindrückliche Schilderung der Schlachtzeremonie, wenn man so sagen darf, in einer an diese Dinge gewöhnten Familie wird man nicht so schnell vergessen. Jakub Ekier las seine Gedichte in der deutschen Übersetzung, sodann auf Polnisch, auch für nicht Polnisch-Sprechende immer ein wunderschönes Hörerlebnis. Dass die polnische Sprache von Manchen als „ ewiger Herbst“ (oder so ähnlich) bezeichnet werde, erwähnte er, bevor er begann zu lesen, ein sehr treffendes Klang-Bild. Dass seine Gedichte als haikuverwandt empfunden wurden, schien ihm nicht zu behagen. Dennoch ist es gerade das Reduzierte, Konzentrierte, was seine Gedichte, zumindest beim ersten Hören, auszeichnet.
Ein gelungener Einstieg in die polnische und ukrainische Kultur/Literatur zum Beginn des Polenmarkts. Und gleich geht's weiter mit dem Eröffnungskonzert.
Labels: Lesung
18.11.09
15.11.09
Schreckfilm, Geisterbahn
wechseln ab mit Traumbildern.
Kind kam wie der Wind!
Bärenmutter brüllt.
Welche Sorte kleiner Bär?
Ein perfekter pojk*!
Twenty-four-seven -
Milchhahn, an diesem schweren,
hängt's Leben allein.
Zeit - wo gehst du hin?
Unsichtbar und heimlich weg?
Morgen ist er groß.
*schwed. "pojk" = dt. "Junge"
wechseln ab mit Traumbildern.
Kind kam wie der Wind!
Bärenmutter brüllt.
Welche Sorte kleiner Bär?
Ein perfekter pojk*!
Twenty-four-seven -
Milchhahn, an diesem schweren,
hängt's Leben allein.
Zeit - wo gehst du hin?
Unsichtbar und heimlich weg?
Morgen ist er groß.
*schwed. "pojk" = dt. "Junge"
Labels: Haiku
4.11.09
Renga 30
die gelben pappellinien:
sind stille sentinellen
sind stille sentinellen
preliminär översättning:
de gula poppellinjer:
är stilla sentineller
de gula poppellinjer:
är stilla sentineller
Labels: Renga
3.11.09
30.10.09
Renga 29
rutor i raster
kvadraten drar dig in i
novembers närhet
kvadraten drar dig in i
novembers närhet
vorläufige Übersetzung:
felder in rastern
das quadrat zieht dich hinein
in novembernähe
felder in rastern
das quadrat zieht dich hinein
in novembernähe
Labels: Renga
29.10.09
lesebühne tEXTRAbatt in stralsund
demnächst gibt's den nächsten tEXTRAbatt am 10. november 2009, wie immer um 19 uhr im speicher in stralsund, diesmal mit peter michael pietsch und carine thieme. im dezember kommt die lesebühne schmalz und marmelade aus schwerin nach stralsund zum tEXTRAbatt abend im dezember, das kann ja heiter werden;)
was wollen wir mehr als lyrik und prosa zum advent!
was wollen wir mehr als lyrik und prosa zum advent!
Labels: Deutschsprachige Lyrik, Lesung
bloggerstammtisch greifswald
wer näheres zum neuen bloggerstammtisch wissen möchte, nur zu. es soll auch jede menge neuer blogs geben, beispielsweise von einer schwäbin, die hier nach greifswald gezogen sein soll, so hoch in den norden. vielleicht sollte man auch über einen schwabenstammtisch nachdenken?
was also die neuen blogs betrifft: wie man heute so sagt, googlet doch mal (klingt direkt schwäbisch), wir werden wohl demnächst die blogroll ein bisschen aufpolieren müssen ;)
vielleicht ham ja auch mal noch neue leute lust, im ostseeblog mitzumachen? meldet euch!
was also die neuen blogs betrifft: wie man heute so sagt, googlet doch mal (klingt direkt schwäbisch), wir werden wohl demnächst die blogroll ein bisschen aufpolieren müssen ;)
vielleicht ham ja auch mal noch neue leute lust, im ostseeblog mitzumachen? meldet euch!
28.10.09
25.10.09
23.10.09
21.10.09
Renga 28
am straßenrain - der alte
äpfel fallen in sein netz
äpfel fallen in sein netz
översättning:
vid vägrenen - den gamla
äpplen faller i dess nät
vid vägrenen - den gamla
äpplen faller i dess nät
Labels: Renga
20.10.09
19.10.09
Renga 27
gebrochen. werde
neu. Laß dich finden bild, du
neuer herbst, ein glühn.
neu. Laß dich finden bild, du
neuer herbst, ein glühn.
översättning:
bruten. bliver
ny. Låt dig hittas bild, du
nya höst, en glöd.
bruten. bliver
ny. Låt dig hittas bild, du
nya höst, en glöd.
Labels: Renga
18.10.09
17.10.09
16.10.09
14.10.09
13.10.09
9.10.09
1.10.09
Umstände 2
Älskar frukt och bär,
bebisskratt, tunnt huvudhår.
Bucklig magmelon.
Liebe Obst, Beeren,
Babylachen, dünnes Haar.
Reife Frucht Bauchball.
bebisskratt, tunnt huvudhår.
Bucklig magmelon.
Liebe Obst, Beeren,
Babylachen, dünnes Haar.
Reife Frucht Bauchball.
Labels: Haiku, Schwedische Lyrik
27.9.09
Renga 26
vänder blad gröna röda
nya sidor, årsringar
nya sidor, årsringar
Übersetzung:
wendet blätter grün und rot
neue Seiten, jahresring
wendet blätter grün und rot
neue Seiten, jahresring
Labels: Renga
25.9.09
23.9.09
Konterfei
Ihr Lächeln in unbeobachteten Augenblicken gehört zu einer Parallelwelt, einer versunkenen Kinderwelt. Es ist die Belohnung für alle, die sie nicht angreifen und kommt unvermittelt an bei jedem, der sich ihr unverstellt zuwendet. Wer dieses Lächeln wahrnimmt, schämt sich ein bisschen wie jemand, der etwas gesehen hat, das er nicht sehen darf. Bei einem offiziellen Lächeln dagegen verlagert sich das Wangenfett, schiebt sich nach oben. Die Welt gehört diesem Gesicht und das Gesicht der Welt. Manchmal gehört dieses Gesicht einem Kind, das sich in einem großen steinernen Haus verlaufen hat. Ein verlorenes Gesicht mit schmerzlichen Strukturen. Es gibt derzeit 688.000 Versionen davon im Netz, von Marilyn Monroe gibt es vier mal so viele. Doch in diesem Gesicht gibt es weder Vernetzung noch eine selbstverständliche Koordination von Stimmungssignalen, es ist von Selbstbeherrschung modelliert, nein, glattgestrichen. Eine verbindliche Maske, die dennoch Entgleisungen nicht verhindern kann, die einem ebenso peinlich sind wie das unvermittelte Lächeln. Ein todstarres Gesichtsstillleben zuzeiten. Der rot geschminkte Mund, noch einmal mit einem dunkleren, immer etwas asymmetrischen Schwung konturiert, sendet keine erotischen Signale, sondern zeichnet manchmal etwas Verhärmtes, ja, Verbittertes, fast Böses. Etwas vor Verbitterung kalt und starr Gewordenes, ausharrend im Angstwarten. Er ist dünn, der Mund, wie mit einem Skalpell die noch geschlossene Gesichtsfläche plötzlich klaffend geöffnet. Dünne Lippen, von der Visagistin jeden Morgen ein wenig verbreitert. Dünne Lippen münden zu beiden Seiten in herab fallende Mundwinkel, die ein fleischiges, energisches Kinn abgrenzen gegen zwei zum Hängen neigende glatte Wangen in dem großflächig angelegten Gesichtsfeld. Der Mund ist ein wenig schief, nicht verzogen, als habe der Schöpfer dieses Gesichts aus Versehen einen schiefen Strichmund gemalt. Es ist der schiefe Mund eines schmollenden, vor Angst schmollenden Kindes, das eine Strafe erwartet. Deshalb sieht man auf vielen Fotos diesen Mund manchmal plötzlich in die andere Richtung schief nach oben gezogen. Oft ist die Unterlippe speichelnass, hier liegt die kleine visuelle Schwäche. Die Trägerin des Gesichts neigt zu starkem Speichelfluss, der noch mehr Beherrschung vor allem beim Sprechen verlangt, sodass sie hierbei meist den Mund nur wenig öffnet, ja, oft versucht, fast gewaltsam bei fast geschlossenem Mund zu sprechen. Das sehr runde Kinn wirkt ein wenig aufgeblasen, eine runde kleine Kinderfaust. Darunter viel Halsvolumen, als müsse diese dicke, fettgepolsterte Haut den Kopf stützen, nach oben drücken, eine Art Polster- und Stützinstallation. Die Wangenhaut neigt zur Glätte, wenn da nicht die vielen kleinen Fältchen um die Augen wären. Fältchen, die auf zu wenig Schlaf schließen lassen seit vielen Jahren. Fältchen, die dieses Gesicht fast sympathisch erscheinen lassen. Die Haut der großflächigen Stirn neigt zur Großporigkeit, zu Fett- und Schweißbildung, die mit einem lockeren Fransenpony davon abzulenken versucht. Diese Neigung zur Bildung von Sekreten zeigt sich auf ungünstigen Fotografien oft auch an den glänzenden Innenohrmuscheln. Zwischen Mund und Nase ein dreifingerbreiter Raum. Die Nase ist klein, ein wenig schief, dennoch kräftig. Die wasserblauen Augen, schöne Augen, wenn sie weit geöffnet sind, verweinte Augen, wenn sie bereits 20 Stunden auf den Beinen ist, in der Regel nur schmale Schlitze, ein schmaler schwarzer Lidstrich überbrückt das weiß gepuderte Schlupflid mit den schwarz getuschten kurzen Wimpern. Vom Typ her ist die Trägerin dieses Gesichts eigentlich ein wenig eine Rothaarige – mit jetzt dunkelblond eingetöntem praktisch frisiertem dünnen Kurzhaar, das, wenn es seine Form verliert, einen fast mädchenhaften Eindruck macht. Und das einstmals ein wenig Zarte, Verletzliche, Angreifbare ihres Wesens, das sich mit den Jahren gepanzert und verhärtet hat, schlägt manchmal noch durch wie ein warm flackerndes Kerzenlicht hinter einer russverschmutzten Glasscheibe. Es wird ein herbes, unaufdringliches Parfüm sein, das seine Trägerin jeden Morgen in ihren Ausschnitt sprüht.
20.9.09
18.9.09
Renga 25
ein warmer meerwind -
die algenmonde leuchten
perlmuttfarbnen glanz
die algenmonde leuchten
perlmuttfarbnen glanz
Übersetzung:
varma havsvindar -
tångmånarna skinande
pärlemorfärgad glans
varma havsvindar -
tångmånarna skinande
pärlemorfärgad glans
Labels: Renga
14.9.09
The Stoner 2: Jazz in Greifswald
Na wer sagt's denn! Gleich nach der Pause finden alle vier Musiker auch gleich wunderbar zusammen, perlende Jazzpianoläufe, warmes jazziges Saxophon, treibender Rhythmus von Schlagzeug und Bass, den man sich noch öfter gewünscht hätte. Gleich darauf fallen sie wieder ein wenig auseinander, es wird etwas disparat und wir fragen uns, ob es vielleicht in der Jazzmusik und in der neuen Musik Leerstellen gibt, die wir als HörerInnen ausfüllen müssen wie die Leerstellen in der Literatur (vgl. Iser, Eco).
Was wir beim ersten Teil vergaßen: der Schlagzeuger malte in einem der Stücke mit seinen feinen Schlagzeugstücken die Töne auf die Becken, Klanghieroglyphen, die zu entziffern den HörerInnen Spaß gemacht haben dürfte.
Stoner, das ist kreativer Sound.
Das Stück Silent Superman in der Mitte des 2. Sets ein abgefahrenes Stück, wenn man so sagen darf, voller Überraschungen, wunderbares, leicht melancholisches Saxophon (hat man je ein Saxophon so zart und im nächsten augenblick so kraftvoll spielen hören), herrlich disharmonisches Spiel von Bass (gestrichen) und Saxophon, das Schlagzeug mit einem monotonen Trommelschlag, auch die übrigen Klänge verströmen etwas zunehmend Beunruhigendes, so dass das Stück etwas Unheimliches bekommt, toll. Gleich darauf ein harmonisches Stück namens DD, mit fast kammermusikartigen Passagen, nie langweilig dieser Abend, vielleicht manchmal ein bisschen zu sanft. Absolut zauberhaft ist das Schlussstück, brandnew, wie die Musiker versicherten, dessen Titel sich anhörte wie "kindercola", kann zwar kaum sein, aber es klingt auch irgendwie so, leicht und fröhlich, total verspielt, mit Spieluhrenanklängen, einfach hübsch und ein prima Ausklang. Jetzt können wir alle fröhlich nachhause gehen ...
Was wir beim ersten Teil vergaßen: der Schlagzeuger malte in einem der Stücke mit seinen feinen Schlagzeugstücken die Töne auf die Becken, Klanghieroglyphen, die zu entziffern den HörerInnen Spaß gemacht haben dürfte.
Stoner, das ist kreativer Sound.
Das Stück Silent Superman in der Mitte des 2. Sets ein abgefahrenes Stück, wenn man so sagen darf, voller Überraschungen, wunderbares, leicht melancholisches Saxophon (hat man je ein Saxophon so zart und im nächsten augenblick so kraftvoll spielen hören), herrlich disharmonisches Spiel von Bass (gestrichen) und Saxophon, das Schlagzeug mit einem monotonen Trommelschlag, auch die übrigen Klänge verströmen etwas zunehmend Beunruhigendes, so dass das Stück etwas Unheimliches bekommt, toll. Gleich darauf ein harmonisches Stück namens DD, mit fast kammermusikartigen Passagen, nie langweilig dieser Abend, vielleicht manchmal ein bisschen zu sanft. Absolut zauberhaft ist das Schlussstück, brandnew, wie die Musiker versicherten, dessen Titel sich anhörte wie "kindercola", kann zwar kaum sein, aber es klingt auch irgendwie so, leicht und fröhlich, total verspielt, mit Spieluhrenanklängen, einfach hübsch und ein prima Ausklang. Jetzt können wir alle fröhlich nachhause gehen ...
The Stoner: Jazz in Greifswald
Ein sanfter Anfang, Tamburin und Flügel ... ein Hineingleiten in das Konzert dieses Abends. Mit einem knalligen Stück gingen The Stoner in die Pause. Und dazwischen: diese Band muss man für ihre lyrischen, zarten Passagen lieben, für die Dialoge zwischen Flügel (Jonas Östholm) und Schlagzeug (Jon Fält), zwischen Piano und Saxophon (Nils Berg, auch Querflöte), zwischen Saxophon und Bass (Nils Ölmedal).
Der Übergang zwischen den Stücken war im ersten Teil so fließend, dass man es als einziges komplexes Stück hören konnte, wenn man wollte. Eine Musik voller Überraschungen, Brüche, zugleich melodisch, rhytmisch. Besonders schön der Flügel, sehr konzentriertes, intensives und zugleich sparsames Spiel, in manchen Stücken fast an minimal music erinnernd.
Vielleicht könnte man sich wünschen, dass sie noch öfter alle zusammenfinden, aber vielleicht ist das eine antiquierte Jazz-Erwartung.
Diese Musik braucht offene Ohren!
Gleich geht es weiter, wir sind gespannt auf das zweite Set, das heute noch in der Medienwerkstatt in der Bahnhofstr. 50 gespielt wird.
Der Übergang zwischen den Stücken war im ersten Teil so fließend, dass man es als einziges komplexes Stück hören konnte, wenn man wollte. Eine Musik voller Überraschungen, Brüche, zugleich melodisch, rhytmisch. Besonders schön der Flügel, sehr konzentriertes, intensives und zugleich sparsames Spiel, in manchen Stücken fast an minimal music erinnernd.
Vielleicht könnte man sich wünschen, dass sie noch öfter alle zusammenfinden, aber vielleicht ist das eine antiquierte Jazz-Erwartung.
Diese Musik braucht offene Ohren!
Gleich geht es weiter, wir sind gespannt auf das zweite Set, das heute noch in der Medienwerkstatt in der Bahnhofstr. 50 gespielt wird.
Labels: Jazz
12. Lyrikmeisterschaft MV: Ringo Gollnest
GlückSELIGkeit
===============
Marionetten verneigen sich
nach und nach
aus der Reihe
sich stehlend
nehmen sie die Beichte
der Permutation folgend
verlängern sie die Ewigkeit
große Oper
der Verfolger zeigt
der Philanthrop beschreibt
die Verdichtung der GlückSELIGkeit
Text: Ringo Gollnest
Dezember 2007
veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors
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Marionetten verneigen sich
nach und nach
aus der Reihe
sich stehlend
nehmen sie die Beichte
der Permutation folgend
verlängern sie die Ewigkeit
große Oper
der Verfolger zeigt
der Philanthrop beschreibt
die Verdichtung der GlückSELIGkeit
Text: Ringo Gollnest
Dezember 2007
veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors
















