17.8.13

66. Filmfestival Locarno: noch ein wenig Geduld


Vorerst nochmal zum Thema Geduld. Zum Beispiel: Einfach die Kamera aufstellen und aus einer einzigen Perspektive das (Nicht)Geschehen filmen, das, was vor die Kamera kommt oder nicht kommt oder vor die Kamera geschickt wird, ganz klar ist das nicht, beispielsweise beim chinesischen Film Yuan Fang (Distant) von Zhengfan Yang, China. (Wie überhaupt ein Schwerpunkt dieses Festivals auf Dokumentarfilmen zu liegen scheint, ohne Informationen ist bisweilen nicht leicht zu unterscheiden, was Doku, was Fiction ist).
Zwei Filme verfolgten dieses Alles aus einer Perspektive oder zumindest fast alles aus einer Prespektive, alles, was vor die Kamera kommt. Im einen Fall ist das Ganze sehr gelungen (Der Wasch La Clé de la chambre à lessive, vermutlich Doku), im anderen fragt man sich. Dieser Andere ist Yuan Fang. Einer nach dem anderen verließen die Zuschauer fast fluchtartig den Saal. Vielleicht hätte meditative Versenkung geholfen. Die aber wurde erschwert durch den Soundtrack des Films, der ein originaler Soundtrack zu sein schien, ununterbrochener Straßenlärm, zumindest bei den zwei Szenen, die wir gesehen haben (insgesamt sind es 13). Sonst möglicherweise … als Beispiel sei eine Szene in einer Fußgänger-Unterführung geschildert. Eine leere Fußgänger-Unterführung, hässlich. Unendlich langsam bewegt sich ein alter, gebeugter Mann mit einem Stock durchs Blickfeld. Unendlich mühsam, unendlich langsam. Das hatte fast etwas No-haftes, aber das gehört ja zu einem anderen Kulturkreis. Das Geräusch des Stocks, der Schritte, Verkehrslärm. Sehr lange geht das. Sehr lange ist dann nur die leere Unterführung zu sehen. Nach langer, langer Zeit (schlechte Beleuchtung in der Unterführung, Verkehrslärm, Leere), nach langer. langer Zeit kommt ein Mann dahergeschlendert, legt Plakate auf den Boden, klebt sie langsam, langsam,eines nach den anderen an die Wand im rechten Blickwinkel. Geht langsam, langsam weg. Leere Unteführung, grünliches Licht, Straßenlärm- Alter Mann erscheint erneut von links, geht unendlich langsam zum Plakat, betrachtet es lange, lange, geht unendlich langsam weg, verschwindet aus dem Blickfeld. Langsam. Langsam. Leere Unterführung. Verkehrslärm. Leere. Einsamkeit. Nichts. Cut.
Vielleicht hat der Film was, so wie oben beschrieben. Aber man muss hart im Nehmen sein und vielleicht gestählt durch viele Stunden No-Betrachtung. Wir waren schon strapaziert durch viele Stunden Geduld bei anderen Filmen. Andere Szenen von Yuan Fang mögen angenehmer zu betrachten gewesen sein. Ein wenig mehr Geduld vielleicht, und alles wäre gut gewesen. Wir wissen es nicht, wir verließen den Saal.

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