24.8.13

66. Filmfestival Locarno: Nachgedanken 2

Letzter Abend auf der Piazza, Verleihung der Preise. Yves Jersin, der bei der Preisverleihung (eben nur Mention Spéciale) auf die Bühne gerufen wurde, wandte sich überraschend ans Publikum, sehr enttäuscht, und berichtete, was sonst hinter den Kulissen geblieben wäre. Er hatte die Nachricht erhalten, dass er den silbernen Leoparden gewonnen habe, er (inzwischen 79!) habe sich in den Zug gesetzt, sei durch die ganze Schweiz gefahren, um dann unterwegs auf dem Handy angerufen zu werden, dass alles ein Irrtum sei und er „nur“ eine mention spéciale bekomme. Die Enttäuschung kann man sich vorstellen. Yarsin fand, man hätte die Arbeit seines Filmteams nicht entsprechend anerkannt – darüber mag man sich streiten (obwohl auch wir dieser Meinung sind), doch niemand hat per se Anspruch auf einen Preis. Aber dass die Festivalleitung sich bei dieser Gelegenheit nicht einmal öffentlich entschuldigte, ja dass der künstlerische Leiter bei der ganzen Zeremonie nicht auf der Bühne anwesend war – all das wirft Fragen auf und enttäuscht.
Yves Yersain verallgemeinerte seinen Fall etwas und griff heftig die Praxis der „Mention“ an, denn diese sei kein Preis, wobei sie aber so tue, als sei sie ein Preis, und diese Argumentation hat etwas. Jedenfalls hätte Yersain ein Preisgeld für seinen selbst finanzierten Film gut gebrauchen können.
Schade, sehr schade.

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