3.12.05

Ich bin der Edgar

Samstagabend, kurz vor 20.00 Uhr, Plus, Anklamer Straße. Der Sänger ist wieder da. Allmählich vermute ich, er ist immer da. Wieder ist er heiter, spricht mit seiner schönen Schlagersängerstimme, Jimi Hendrix war gar nicht so schlecht, nach kurzer Zeit: Ich lach mich kaputt. Lacht. Aber sich nicht kaputt. Das ist die Farbe der Liebe, da weiß ein Mann gleich Bescheid, als er an der Kasse ist mit einem seiner Freunde und seinen Freunden den Flaschen; die Weinflasche will er gar nicht loslassen, die Dame an der Kasse muss sie ihm entreißen gewissermaßen, um den Preis einscannen zu können. Während die Kollegin hinter einem Regal hervorruft: Singen Sie draußen, nicht hier in der Halle! Worauf er kurzzeitig verstummt, dann kündigt er an: Ich werd jetzt mal was sagen. Ich bin der Edgar. Sonst nichts. Dazwischen fragt ein kleines Kind seinen jungen Vater: Wer ist denn das? – Ein Idiot, sagt der Papa. Und drei Sekunden später der Sänger: Wer hat das gesagt?
Wenigstens ist es dem Vater peinlich.
Zwei junge Mädchen hinter mir teilen mir mit, dass der trinkfeste Sänger sie jedesmal anquatscht, wenn sie hierher kommen. Tja, das ist nicht schön, da ist es doch besser, er singt der Allgemeinheit was vor.
Ich komm aus Kanada, sagt er, der Sänger, also Edgar angeblich. Und wenig später: Deutschland ist beschissen. Und dann noch, zur Kassiererin: Sei froh, dass du hier arbeiten darfst.
Ja, soweit sind wir gekommen.

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