13.8.12

Goldener Leopard - und andere Favoriten. 65. Filmfestival Locarno

Wie wir am Freitagabend live von der Siegerehrung bloggten: Der goldene Leopard, der Pardo d‘Oro 2012, ging verdienterweise an Brisseau für La fille de nulle part. (Oh, Pardon, gerade stellen wir fest: das Mobile Blogging hatte nicht geklappt) Für einmal sind wir uns vollkommen einig mit der Jury. Wir hätten es kaum zu hoffen gewagt, bei diesem low budget Film. Grandios. Dieser Film könnte ein Kultfilm werden (aber nicht People’s Park - Regie: Libbie Dina Cohn, J.P. Sniadecki - wie Cohn es sich von ihrem Film über einen Park in Chengdu, in Sezuan, China, erhoffte; er war interessant, könnte unser Bild von China verändern, aber das ist hier jetzt nicht der Punkt.) Überhaupt sind wir sehr zufrieden mit dieser Festivalausgabe unter der Leitung von Olivier Père. Was uns schmerzt, ist die Tatsache, dass Padroni di Casa weder Ehrung noch eine Erwähnung in irgendeiner Form erhielt; das war unser zweiter Favorit. Der dritte persönliche Favorit war La Science des Rêves (R: Michel Condry, von 2006), in dem sich Phantasie und Realität auf wunderliche und oft komische Weise vermischen, in dem wunderbare Objekte aus Pappkarton und anderen Materialien eine herrliche Rolle spielen, dass wir diesen Film allen empfehlen wollen, die ein Herz für Träume und einen schrägen Humor haben. Auch „Camille Redouble“ (Regie Noémie Lvovsky, die übrigens auch überaus charmant die Hauptrolle spielt; Variety Piazza Grande Award), in dem die Heldin auf phantastische Weise in ihre Jugend zurückkehrt, dabei aber ihr aktuelles Erwachsenenalter von 42 Jahren beibehält, ist ein schöner, phantasievoller, manchmal skurriler und vor allem auch warmherziger Film. Wenn wir eine Chance hätten, in die Vergangenheit zurückzukehren wie die Heldin, was könnten und was wollten wir ändern? Und wäre dies überhaupt möglich? Ein verborgener Essay also im Spielfilm.  (Wie im Übrigen auch in La Fille de Nullepart.)
Nicht ganz klar war die Botschaft hingegen in dem japanischen Film Playback, der zwischendurch etwas langatmig, aber nicht uninteressant war. Man muss sich hineinfallen lassen und aufhören zu denken, um ihn genieße zu können. Auch in diesem Film gerät der Held zurück in seine Vergangenheit, wobei sich in Playback die Ebenen noch raffinierter (aber eben auch undurchblickbarer) mischen. Da wir zu keiner befriedigenden Erklärung der Dinge kamen, wollen wir weiterhin dazu schweigen.  (Falls jemand etwas dazu beitragen kann, gerne im Kommentar).
Und weil wir schon davon sprechen: Gerade fällt uns auf,  dass in „Somebody Up There Likes Me“ (Regie Bob Byington), der den „Premio Speciale della giuria“ bekommen hat, ebenfalls ein Spiel mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stattfindet – auf andere Weise allerdings und mit einem unvergleichlichen, lakonischen Humor.  Hier haben wir es mit einem (Anti-)Helden zu tun, der nicht altert – und irgendwie auch nicht wirklich am Leben teilnimmt. Der Film verliert zwar mit der Zeit etwas an Schwung, ist aber durchaus sehenswert – und enthält, wenn wir es richtig verstanden haben, auch Kritik am durchschnittlichen american way of life.  Auf absolut amüsante Weise …
Beendet sei diese Plauderei mit einem Hinweis auf die sehr gut gemachten Webseiten des Filmfestivals, auf der die interessierten LeserInnen Alles über das Festival und die zahlreichen verliehenen Preise erfahren können (sehr stark waren hier chinesische Filme vertreten). Es lohnt sich, auf den Seiten zu stöbern. Ein Kompliment auch für die Festivalorganisation, die auf vorbildliche Weise Twitter – und darüber auch Zuschauer, RezensentInnen etc. – in das Gesamtkonzept eingebunden hat.

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