17.1.09

Emma Braslavsky 2


Familiäre Polyphonie
Eine Lesung, die keine Wünsche offen lässt: Das Blaue vom Himmel über dem Atlantik. Die ZuhörerInnen folgen gebannt der Geschichte einer Familie, in der es ein großes Geheimnis gibt. Es rankt sich um die Großmutter, es macht uns neugierig, ebenso wie die verschiedenen Stimmen, die Emma Braslavsky zu Gehör bringt.
Familiäre Polyphonie, wie sie nach der Lesung sagt, die in jeder Familie zu finden sei. Sofort entstehen im Kopf Familienromane, so viele verschiedene wie die Familie Mitglieder hat, in Braslavskis Roman sind es acht Stimmen, acht Geschwister, die sich beim Begräbnis der Mutter treffen. Aus den Innenansichten dieser Personen wird ein Bild gewoben, das wie bei Photoshop aus mehreren übereinanderliegenden Ebenen besteht und zusammen - vielleicht - eine changierende Wahrheit ergibt.
Emma Braslavsky liest mit einer unglaublichen Präsenz, schlüpft in die verschiedenen Figuren und deren Welten. Glaubwürdig sind die Personen und ungeheuer lebendig. Das mag auch an der ausführlichen Recherche liegen, die sie in der schlesischen Ecke Polens unternommen hat, wie sie im lebhaften Gespräch mit den Zuschauern erzählt. Alte Hebammenregister, Gespräche mit vielen Menschen in Polen und Berlin, die Eindrücke vor Ort sind in den Roman geflossen.
Der bereits gestorbene Herbert kommentiert aus dem Off, was der Geschichte von Anfang einen gewissen Witz verleiht, eine feine Ironie, überhaupt scheint hier ein ernstes Thema mit einer Leichtigkeit in eine lebendige Handlung umgesetzt zu sein, die vor allem Eines macht: Lust sofort weiterzulesen.

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