19.11.05

Polnische Jazzmagie: Pieronczyk

Leben gab’s gestern abend, Lesung mit Pawel Huelle, später Jazz mit dem Trio Adam Pieronczyk, Polenmarkt ist zur Zeit in Greifswald, eine Kulturwoche, die mit polnischer Musik, Literatur und Kunst dafür sorgen will, dass wir unseren Nachbarn aus dem Osten näher kommen. Es scheint zu gelingen. Man beginnt sich zu fragen: Was ist das für ein Land, aus dem so phantastische Musiker kommen wie Pieronczyk und Krzystof Dziedzic, ein einfühlsamer Schlagzeuger und Ed Schuller, der dritte Mann, ein phantasievoller Bass-Spieler kommt aus New York, also vielleicht müsste man da doch auch mal hin.

Was für ein wunderbarer Abend! Das Spiel Pieronczyks wird als kraftvoll und energetisch, sein Stil als kreativ bezeichnet, und dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. In der obigen Kombination führt die Musik direkt ins musikalische Nirwana, das Spiel ist so warm und wild und lebendig, dass es alles andere verschwinden lässt. Pieronczyk "verbrennt während seiner Improvisation und das Publikum mit ihm", schreibt die Gazeta Wyborcza, und so unrecht hat sie nicht, weil man sich nach dem Konzert fühlt wie ein Phönix, der wieder aus der Asche aufersteht. So stelle ich mir das jedenfalls vor. Wie neugeboren.

Jeder Ton eine Überraschung, der gemeinsame Klang des Trios eine polydimensionale Harmonie. Nicht glatt, sondern ein kompliziertes, ständig sich veränderndes, klangliches Netz. Diese Musik lässt sich nicht in Worten beschreiben, vor allem nicht mehr, wenn Pieronczyk zu einem archaischen Blasinstrument greift, war’s gestern eine Mizmar, war’s eine Gaitha oder etwas ganz Anderes – man verzeihe mir meine Unwissenheit -, wenn diese durchrdringenden Töne Körper und Raum füllen, wenn Ed Schuller seinem Bass mit einem Bogen unglaubliche Töne entlockt, wenn Dziedzic mit seinen Händen rythmische Strukturen hinein trommelt, da strömt der Klang durch uns hindurch, da werden wir eins mit dem Klang (diejenigen, die sich dem Klang hingeben, um genau zu sein), da scheinen andere Welten auf, in denen alles noch ursprünglich und frisch und prall mit Leben ist und voller Klarheit und Feuer .... eben jenes, das uns reinigt ....

Genug der Schwärmerei. Was man nicht beschreiben kann, darüber soll man schweigen. Wer die Gelegenheit hat, dieses Trio zu erleben, darf es unter keinen Umständen verpassen!

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