31.10.05

Dornröschenstadt

Ich plädiere dafür, Greifswald den Titel „Dornröschenstadt des Jahres“ zu verleihen. Der Herbstkönig hat so ein goldweißes Märchenlicht verstreut, das Bäume und Häuser verzaubert, die Kirchen sehen aus wie schlafende Schlösser mit ihren mächtigen Backsteintürmen in blasses Gold getaucht, unwirklich wirken sie wie der Wall wie die ganze Stadt in diesem Licht, das zarte Schleier webt, das Gras ist bedeckt mit Teppichen aus Blättergold, fragile Gebilde, das Gold wird bald rosten, zerfallen, vermodern – was SpaziergängerInnen mit Herbstdepression an das eigene kurze Leben erinnert womöglich, sofern sie den Schritt ins unwirkliche Draußen wagen, was nicht sehr wahrscheinlich ist, da die ganze Stadt im Schlaf liegt umsponnen von einem weißgoldnen Netz.

Der Herst spinnt einen
Blättergoldtraum – verfangt
euch nicht in seinem Netz

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