27.10.05

Haiku oder Cyku

Bericht aus der Dichterinnenwerkstatt

Konnte nicht einschlafen gestern abend wegen dieses miserablen bzw. unvollendeten Haikus von gestern. Arbeitete virtuell weiter. Stelle ausnahmsweise diese virtuelle Arbeit ins Blog. Auch wenn’s mit Ostsee nicht viel zu tun hat, außer dass es dort Herbst ist wie im Rest von Europa auch.

Also von neuem:

Blätter und Regen
in Harmonie mit dem Herbst
exzerpiere ich

oder besser

Regen und Blätter
in Harmonie mit dem Herbst
exzerpiere ich

aber ob das die Deutschte Haikugesellschaft als Haiku akzeptieren würde ;))
Der obige Dreizeiler enthält zwar ausnahmsweise ein Kigo, vielleicht sogar zwei oder drei, wenn man’s genau nimmt, also auf jeden Fall zu viel. Ein Kigo, für diejenigen, die’s interessiert, ist so eine Art Jahreszeiten-Schlüsselwort, das im Haiku zu stehen hat, was im standardisierten Kigo-Inventar in Japan möglicherweise bei entsprechendem kulturellen Wissen leicht zu bewerkstelligen ist, im Deutschen aber: da müssten wir erst eins aufstellen, und das wäre doch auch widersinnig, wollen wir hier doch originelle DichterInnen sein. Wie’s eigentlich überhaupt widersinnig ist, Haiku (laut den literarisch Strengen immer ohne Plural-s, obwohl doch viel schöner mit) zu schreiben mit unsrer Sprache, da doch das 5-7-5 Schema viel besser zu diesen schönen kurzen japanischen Silben passt als zu unseren sperrigen deutschen Wörtern.
Nun ja, die beiden letzten Haiku(s) ensprechen also immerhin dem Silbenschema, verfügen auch immerhin über ein Verb (siehe die strengen Regeln der bereits erwähnten DHG), aber das „ich“! Das hat nun gar nichts im edlen Haiku zu suchen.
Das Wahrhaft Edle ist nur möglich ohne das Ich und Alliterationen sind auch nicht erlaubt.
Dennoch, trotz all dieser Unwägbarkeiten, noch ein Versuch, um endlich einschlafen zu können : so war’s jedenfalls letzte Nacht.

Die vielen Blätter!
Der Herbstwind exzerpiert wie
wie wild bei Tag und Nacht.

Ah, das war’s. Bleibt nur die kleine Ungereimtheit, dass „bei Tag und bei Nacht“ besser klingen würde, aber die fünf Silben! Und die Sache mit den Satzzeichen, aber lassen wir das jetzt.
Dann ist da aber noch die Sache mit dem Sprach- und Wortspiel. Wenn ich mich richtig erinnere, auch nicht erlaubt. Zu sophisticated. Aber das, was Spaß macht!
Ergebnis:
Dies ist wohl kein rechtes Haiku, möglicherweise aber ein Senryu, ganz sicher aber ein hübsches Cyku.

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