22.6.05

Zugegeben

Ich gebe es zu, es war einen Tag lang Sommer. Wenn man großzügig ist zwei. Am ersten schön und warm. Am zweiten schwül und heiß. Ich gebe zu, dass ich nach Eis gelechzt und mir diesen Wunsch nicht versagt habe. Das war gestern. Abends dann: Blitz, Donner, Wind und Regen.
Heute ist wieder alles beim alten. Nordostdeutscher Sommer just as usual. Blauer Himmel mit ein paar Wolken, Wind, Kühle. Die Windjacke über dem Leinen.
Der Efeu vorm Fenster taucht das Zimmer in Sommergrün immerhin. Die Abendstraßen sind wie immer still. Aber ich gebe es zu: die Kultur in Greifswald lebt. Nachhaltig. Im Sommer. Am Wochenende Lesung am Fluss, Klosterspektakel in der Klosterruine, Jazz, Dark Wave, Reggae, Mittelaltersmusik, sogar sphärische Dub-Arrangements - laut Programm - sodann das Köppen-Festival (der einheimische von Uni und Köppenarchivhütern verehrte Schriftsteller, nicht mehr lebend, natürlich möchte man sagen), Eine Hand voll Leben = Summercdance auf dem Marktplatz, Jazz und WorldMusic im Innenhof von St. Spiritus, nur: all dieses Open Air ist wahrscheinlich nur mit Wolldecke, Winterstiefeln und Pudelmütze auszuhalten.
Das Bach-Festival unter dem Motto der erleuchteten und scherzhaften "12 " liegt gerade hinter uns, ebenfalls nur mit oben genannter Ausstattung zu genießen, wenn überhaupt, da Zähneklappern das Hörvermögen beeinträchtigt, diesmal nicht wegen waghalsigem Open Air, sondern wegen konventionell kalten Backsteinkirchen und -domen.
Tja, es ist hart das Leben im Norden.
Kühl die Tage, kühl die Kultur, kühl die Herzen.
Es sei denn, es sei einen Tag lang Sommer.........

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