14.9.09

12. Lyrikmeisterschaft MV: Ringo Gollnest

GlückSELIGkeit
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Marionetten verneigen sich
nach und nach
aus der Reihe
sich stehlend
nehmen sie die Beichte

der Permutation folgend
verlängern sie die Ewigkeit
große Oper
der Verfolger zeigt
der Philanthrop beschreibt
die Verdichtung der GlückSELIGkeit


Text: Ringo Gollnest
Dezember 2007

veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors

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9.9.09

12. Lyrikmeisterschaft MV: Carlo Ihde

Kardinalfrage der Tradition
(Beitrag des dritten Preisträgers Carlo Ihde)

Die Kardinalfrage der Tradition ist
WER
WER überliefert
WER tradiert
und WARUM
WARUM wird überliefert
WARUM wird tradiert
also ist die Kardinalfrage zunächst
WER überliefert WARUM, oder
WARUM tradiert WER.
Als nächstes WAS
WAS wird überliefert
WAS wird tradiert.
Danach kommt WEM
WEM wird überliefert
WEM wird tradiert,
also ist die Kardinalfrage hierbei
WEM wird WAS überliefert, oder
WAS wird WEM tradiert.
Als nächstes WIE
WIE wird tradiert
WIE wird überliefert
und zu WELCHEM ZWECK
zu WELCHEM ZWECK wird überliefert
zu WELCHEM ZWECK wird tradiert
also ist die Kardinalfrage nun zunächst
WIE wird zu WELCHEM ZWECK überliefert, oder
zu WELCHEM ZWECK wird WIE tradiert
also ist die Kardinalfrage insgesamt zunächst
WER überliefert oder tradiert WARUM WEM
WAS und WIE und zu WELCHEM ZWECK.
also könnte die Kardinalfrage weiterführend lauten
zu WELCHEM ZWECK wird WEM WARUM
etWAS WIE tradiert oder überliefert
und überliefert SICH das WIE dem WEM
dem zu WELCHEM ZWECK WAS
überliefert wurde für ein konkretes WARUM?
Und WARUM hat irgendWER das WIE des WAS
WEM zu WESSEN ZWECK gemacht
und hat nicht
dem WEM das Erfragen des WARUM gelassen?
Und WARUM lässt Tradition den, WER
noch fragen zu können meint nach WIE
WEM, WAS, zu WELCHEM ZWECK und WEM,
WARUM also und das also ist die Kardinalfrage
lässt Tradition noch irgendWEN Fragen stellen
an SIE und ihren ZWECK obwohl SIE hohl ist und tot?


Vorgetragen bei der Lyrikmeisterschaft MV 2009 und hier veröffentlicht mit der freundlichen Genehmigung des Autors
Beitrag zur Lyrikmeisterschaft 2009

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7.9.09

12. Lyrikmeisterschaft MV: Silvio Witt

Abgetaucht


Versunken ist das alte Land,
das niemals eines war.

Abgetaucht in tiefste Tiefen,
in nicht mal einem Jahr.

Gekentert voll Euphorie, in Träumen,
als wir alle glücklich sangen,
von unsrer Zukunft,
unsrem wir.

Heute klingen andre Lieder,
erzählen von der alten Zeit.

Unbelehrbar lärmen sie,
Patina der Vergesslichkeit.

Doch sie heben keinen Schatz.

Versunken ist das alte Land,
das niemals eines war.


Geschrieben: 29. und 31. Juli 2009
Vorgetragen bei der Lyrikmeisterschaft MV 2009 und hier veröffentlicht mit der freundlichen Genehmigung des Autors

Beitrag bei der Lyrikmeisterschaft 2008

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12. Lyrikmeisterschaft MV in Rostock

Die 12. Lyrikmeisterschaft des Landes Meckelnburg-Vorpommern, die traditionell in Rostock stattfindet und vom Literaturhaus ausgerichtet wird, haben letzten Samstag die DichterInnen aus der Gegend ausgetragen.
Der erste Preis ging an Anna Wolf, die für ihren experimentellen Ansatz und ihre (Wort-)Bilder gelobt wurde, der zweite Preis ging an Knuth Wolfgramm, der für seine Gedichte in einer überzeugenden "klassisch" gebauten Form geehrt wurde. Wir freuen uns schon, die Gedichte in geschriebener Form selbst lesen zu können.
Der dritte Preis ging an Carlo Ihde. Er überzeugte schon letztes Jahr - damals wurde ihm der erste Preis und der Publikumspreis zugesprochen - durch sein souveränes und witziges Sprachspiel und seine Performance. Auch dieses Jahr bekam er vom Publikum viel Beifall. Wir gratulieren allen Gewinnern.

Ansonsten: Anders als letztes Jahr, als Jury und Publikum weitgehend in ihrer Einschätzung übereinstimmten, fielen die Entscheidungen der Jury und des Publikums dieses Mal in weiten Teilen unterschiedlich aus. Hoch in der Gunst des Publikums (an zweiter und dritter Stelle) standen Silvio Witt und Miriam Naveera, die nicht nur mit ihren Texten, sondern auch mit ihrer Performance begeisterten und einen guten Kontakt zum Publikum hatten. Der Publikumspreis ging an Odile Endres, die dem Publikum dafür herzlich dankt.
Wir freuen uns, dass wir euch einige der vorgetragenen Texte im Ostseeblog präsentieren können – sofern sie bei uns eintreffen.
Dann könnt ihr euch zumindest von den Texten selbst ein Urteil bilden – die Performance muss man selbst erlebt haben!
Falls ihr was kommentieren wollt in diesem Blog, lasst euch nicht davon abhalten.

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