27.9.09

Renga 26

vänder blad gröna röda
nya sidor, årsringar

Übersetzung:
wendet blätter grün und rot
neue Seiten, jahresring

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1 Comments:

Blogger Madlen said...

Bei dieser Rengastrofe tritt ein Übersetzungsproblem auf, das mit der grammatischen Struktur der beiden Sprachen zu tun hat. Im Original wird das Verb „vända“ in gebeugter Form verwendet, jedoch ist kein Subjekt angegeben.
Im Schwedischen gibt es nur eine Präsensendung für alle Personen. Das schwedische Verb hat die gleiche Endung, egal ob „ich“ wende, „du“ wendest, „er/sie/es“ wendet, „wir“ wenden etc. Im Deutschen hingegen ist die Verbendung im Präsens an den Sprecher, das Subjekt, angepasst. Man kann am Verb erkennen, wer diese Handlung ausführt.
Im Falle dieses Rengas ist im schwedischen Original aber kein Subjekt angeführt und am Verb ist nicht erkennbar, um welche Person es sich handelt. – Wie soll diese gebeugte Verbform also ins Deutsche übersetzt werden?
Ich als deutscher Literaturwissenschaftler habe sofort eine Deutung parat: es kann nur der Herbst sein, der sich hier um die Blätter und ihre (Herbst-)Färbung kümmert. Die Verbform hieße damit „wendet“.
Für Mahlin stellt sich dahingegen aus ihrer Sicht des schwedischen Muttersprachlers das Gefühl ein, dass es sich hier um ein „Ich“ handelt, das die Blätter (um-)wendet. Ihre bevorzugte Verbform wäre dementsprechend „wende“.
In diesem Dilemma fragten wir einfach Therése, die Autorin der Stofe, an welches Subjekt sie gedacht hat. So stellte sich heraus, dass sie mit Absicht kein Subjekt angegeben hat, damit der Leser diese „Leerstelle“ selbst füllen kann. Genau das hatten Mahlin und ich getan – und sind natürlich zu unterschiedlichen – nämlich ganz persönlichen – (Leser-!)Lösungen gekommen.
Nun wollen wir Übersetzer aber natürlich dem deutschen Leser (der Übersetzung) nicht unsere persönliche Deutung aufdrängen. Er soll sich wie der schwedische Leser (des Originals) seine eigenen Gedanken machen dürfen. Wie übersetzen wir also zu einem „stummen, ausdeutbaren Subjekt“, wie Therése schreibt?
Eigentlich weisen nur das Passiv und der Infinitiv keinen Bezug zu einem Sprecher, einem Handelnden auf. Aber beide wecken vielleicht beim Leser nicht so sehr dieses Bedürfnis, nach einem Handelnden zu suchen. Eine gebeugte Verbform ohne Subjekt macht die Strofe und ihre Lektüre viel spannender. Diese gebeugte Verbform stellt auch eine Besonderheit im Renga als Ganzen dar. Bisher wurden bei fehlendem Subjekt fast ausschließlich alleinstehende Infinitive benutzt. – Vielleicht ändert das Renga ja mit dieser Abweichung die Richtung? Stellt sich hier wortwörtlich eine Wendung ein?

11:49 vorm.  

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