1.5.06

das leben der anderen

längst fälliger nachtrag:
das gedicht zum film "das leben der anderen"



ich lebe und schreibe still
im tal der ahnungslosen
statt zu fragen nach dem
leben der anderen

wie war das damals?
bist du jemals IM gewesen
oder von einem solchen
bespitzelt worden?

hast du je in deinen akten
gelesen bist du jemals
ein verräter gewesen und
wenn ja: weshalb?

und ich: hätte ich einen
IM-vertrag unterschrieben
wenn man mich verhört
hätte bei tag und nacht?

hätte man meine freunde
und liebsten bedroht: wäre
ich schwach geworden?
wahrscheinlich ja

und danach? hätte ich den
mut gehabt zu fliehen wenn
schon nicht zu widerstehen?
was heißt eigentlich feigheit?

oder hätte ich mich aus allem
heraus und den mund gehalten
hätte die angst mich besiegt
hätte ich heimlich geschrieben?

oder mich dem widerstand ver-
schrieben und hieße das: sich
opfern? oder opfert sich einer der
den widerstand aufgibt & schweigt?

die selben fragen stellen sich
im westen wie im osten gab
es diverse gelegenheiten in
der theorie und der praxis

die uns verschonen möge
aber wen soll man darum
bitten? das leben gott das
schicksal den zufall?

da sitze ich im osten und
habe nie mir oder jemand
anderem fragen gestellt:
wie war das damals

oder wie wäre es gewesen
wenn?


„Das Leben der Anderen“
Regie: Florian Henckel von Donnersmarck. Schauspieler: Martina Gedeck in der Rolle der Schauspielerin Christa-Maria Sieland, der das Bühnen-Leben über das wirkliche geht, Sebastian Koch als der Dramatiker Georg Dreyman, und der großartige Ulrich Mühe als Hauptman Gerd Wiesler, dessen Auftrag, das Leben der anderen zu bespitzeln, sein eigenes radikal verändert.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,407544,00.html


http://www.filmz.de/film_2006/das_leben_der_anderen

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