5.5.13

Nordischer Klang: Stavanger Barokk und Kitchen Ensemble.


Warum hören wir nicht jeden Tag Barockmusik? Vor allem, wenn sie so lebendig, so mitreißend, man möchte fast schreiben“jubelnd“ und mit einer solchen Brillanz  gespielt wird wie heute Abend im Greifswalder Theater. Und zugleich mit soviel Kitchen-Dissonanz, dass einem ganz wunderbar zumute wird. Elin Aase hat eine so zauberhaft schöne Sopranstimme, dass es kaum zu glauben ist, und ihre Technik ist einfach umwerfend –die barocken Verzierungen sind ja nicht einfach zu singen. Sie nutzt ihre Stimme wie ein barockes Instrument, man könnte bis in die Ewigkeit zuhören. Dazu virtuos gespielte Geige, Zink, Viola da Gamba, Laute und Cembalo: das ist Stavanger Barokk – auf der anderen Seite Vocals , Saxophon, Trompete, Gitarre, Akkordeon und Bass: das Kitchen Ensemble mit Rock-, Klassik- und Jazzhintergrund. Dazu Schlagzeug und der Dirigent Nils Henrik Asheim. (Die Musikernamen bitte im Programm nachschlagen ;)

Eine phantastische Kombination, bei der italienische Barockmusik und moderne Improvisationsklänge zusammenfinden. Im Programmheft wird das sehr schön erklärt. Jedes Stück voller Überraschungen, immer neue Kombinationen, einmal das Barokk-Ensemble, dann das Kitchen Ensemble, dann einzelne Instrumente/Stimmen aus der Barokk- und der Kitchen-Formation, dann wieder alle zusammen – und manchmal ein Dialog zwischen zwei Instrumenten, das waren besonders schöne Momente: Zink und  Trompete, Akkordeon und Cembalo, die sich gegenseitig suchten, fanden, ergänzten, einander anworteten – die Verwandschaft auskostend, aber doch eigene Töne findend.  Im Grunde hatte dasGanze eine Art Jazzqualität, wie einzelne Instrumente, Stimmen in den akustischen Vordergrund traten, wie Stimmen und Instrumente zusammen (dis)harmonierten, sich fanden, immer neue Verbindungen eingingen, Harmonie in der Dissonanz.
Didrik Ingvaldsen (Kitchen) an der Trompete im Übrigen nahm ganz besonders die barocke Temperatur auf, das mag daran liegen, dass die Trompete auch ein Barockinstrument ist. Oder an der besonderen Einfühlungsgabe. Meisterlich auch die Geige, dasCembalo, die Laute, die Viola da Gamba, auch die Kitchen-Musiker, aber das Stavanger Barock-Ensemble war besonders beeindruckend, manchmal schien es, als ob das Barokk-Ensemble improvisierte und nicht die Kitchen-Musiker, das mag auch am Arrangement gelegen haben.

Die Spielfreude übertrug sich auf das Publikum, vielleicht auch die Freude des Publikums auf die Spielfreude der Musiker und Sängerinnen - der lange währende Beifall nach dem Konzert sagt mehr aus tausend Worte. Ein absolutes Highlight!

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