10.5.13

Nordischer Klang: Scania Octet und Gush

Der Nordische Klang hat einen weiteren Höhepunkt zu verzeichnen: phantastischen Freejazz. Wie soll man nach dem Gush-Konzert noch schlafen? Ein absolut mitreißendes Konzert, wenn die Herren auf ihrer 25th anniversary tour so spielen, dann fragt man sich, was sie in ihrer Jugend erst gemacht haben. Was Mats Gustavson mit seinem Saxophon anstellt, ist nicht zu glauben, das Paradies für Free-Jazz-Fans. Wie Frithjof Strauß zur Einleitung sagte, Gustavson beherrscht zugleich das zärtlichste und das brutalste Saxophonspiel (so ähnlcih jedenfalls). Brutal würden wir jetzt nicht sagen: aber sehr, sehr intensiv, leidenschaftlich, jede Sekunde eine Überraschung, und das gilt auch für Sten Sandell (p) und Raymond Strid (dr). Äußerst phantasievolles Spiel, mäandernd zwischen zerbrechlichen Momenten und explosiven Passagen, tranceartigen Melodieführungen und vereinzelt auflitzenden Tönen: fragmentierte Wirklichkeit. Alle Gewissheiten werden weggefegt, das Spiel von Gush rüttelt die ZuhörerInnen auf, jedes Zeitgefühl geht verloren, eine Stunde geht vorbei wie eine Sekunde. Wenn man sich einlässt auf diese Musik, dann will man nicht mehr, dass sie aufhört. Es sind ja erst ein paar Sekunde vergangen, seit sie angefangen haben ...

Besonders interessant heute abend war der Kontrast: im zweiten Teil (schon wieder beginnen wir damit) das freie, wilde Spiel, im ersten der sanfte, kühle Jazz der 50-er und  60-er Jahre, Jazz von Lars Gullin, den das Scania Octet als „Tribute to Lars Gullin“ spielte; alte Meister (Einzelheiten siehe Programm) bei der Arbeit, im Verhältnis zu Gush war das Konzert ein schönes Wiegenlied, das die ZuschauerInnen ins Land der Träume – welche auch immer - entführte. Jeder der acht Musiker ein Perfektionist, sicher, ruhig, in abwechslungsreichen Kombinationen spielten sie die harmonischen alten Jazz-Classics, eine schöne, aber vergangene Welt. Wirklich schöne Solopassagen, so leicht, virtuos und luftig haben wir das Saxophon selten spielen gehört, sanfte Harmonie, auch bewegende Stücke wie dasjenige des Bassisten, das an Lars Gullin erinnerte: Bass, Schlagzeug und Klavier. Sonst nichts. Ja, das Scania Octet webte die ZuhörerInnen ein, wie in warme, weiche Tücher, was ein Gefühl des Wohlbehagens zur Folge hatte, in das dann Gush mit seinen unglaublichen Tonmustern hineinsprengte.

Wir finden den Kontrast toll, auch wenn nicht alle ZuhörerInnen das aushielten, vielleicht mussten sie auch nur auf den Bus oder aus sonstigen eiligen Gründen nachhause. Die wahren Fans blieben.

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