13.5.11

Echter nordischer Klang: Joik

Greifswald, Donnerstag 12. Mai, 22.30 Uhr

(Entschuldigt das späte posting, blogger.com war down, und das schöne Joik-Foto ging auch verloren)

Wundert euch nicht, wenn ihr heute nacht Leute auf der Straße antrefft, die vor sich hinsingen. Daran ist das Joiken schuld. Vielleicht versucht da einer throat singing grade. Oder zu improvisieren. Weil nämlich das Joiken von Wimme Saari ansteckend ist.

Aber es ist so eine Sache mit dem Joiken, wenn man es zum ersten Mal hört. Die hier Schreibende verfiel zwar beim ersten konzentrierten Stück sofort einer Art Zauber, aber danach verbrachte sie eine Zeitlang relativ ratlos in ihrem weichen Sitz im Stadttheater. Ein solches Konzert möchte man draußen hören, in einer weiten, einsamen Landschaft. Was ist das für eine Musik, die die Wimme Saari Group (Wimme Saari voc., Tapani Rinne, clar., Matti Wallenius string instr., Juuso Hannukainen, percussion, Tuomas Norvio, electr., sound) spielt? Vom Orient zum Okzident gewissermaßen,vom Norden in den Süden, eine sehr spezielle Art von Weltmusik, die sich nicht leicht in die gängigen Genres einordnen lässt. Das orientalische Element mag an der großen Rahmentrommel liegen, die Norvio genial und kraftvoll spielt, beeindruckend. Vielleicht auch an den Saiteninstrumenten, wie an der Gitarre oder wars eine Laute aus Saiten, Holz und Luft.

Und dann dieser sehr sehr eigene Gesang des Wimme Saari, dieses Joik-Sängers, der innig von Rentieren und Bären singt. Dieser rohe, reine Joik sozusagen, ganz ohne Musik, ist vielleicht für Unkundige - vielleicht hätte man sich vorher erkundigen sollen - am Befremdlichsten, vielleicht aber auch mit am Beeindruckendsten. Wenn man über das Befremdliche mal hinweggekommen ist. Dieser Vogelgesang dann! Aber wovon man nicht reden kann, darüber soll man undsoweiter, also sagen wir jetzt nicht viel dazu. Außer, dass das Eis irgendwann endgültig brach, man hörte es auch am Applaus, irgendwann im letzten Drittel lösten sich Raum und Zeit auf, endlich doch der anfangs versprochene Zauber eines schamanischen Gesangs, der sich mit dem Spiel der drei Musiker verband zu einer Art Totalklang, der, so vermuten wir, viel mit Improviation zu tun hatte, der einfach großartig und ergreifend war.

Ein sehr spezieller Joik, scheint uns, und daher kommt es, dass jetzt manche singend durch die Stadt gehen und singend schreiben. Wir brauchen jetzt ganz dringend einen Joik-Kurs.

p.s.
Falls es irgendjemanden gibt, der wirklich etwas vom Joik versteht, darf sie/er gerne hier kommentieren und sollte sich vielleicht auch beim Wikipedia-Eintrag Joik beteiligen, dort gibt es Beweisbedarf.

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