27.11.08

Renga 7

Viktlösa händer
bryter isen likt frågor
ljushögtid kommer

Übersetzung:

Gewichtlose Hände
brechen das Eis wie Fragen
die Lichtfeier kommt

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3 Comments:

Blogger Madlen said...

Was soll beim Übersetzen Vorrang haben? - Form oder Inhalt? An der vorliegenden Rengastrofe lässt sich dieses typische Übersetzerproblem besonders schön diskutieren:

Gewichtlose Hände

lautet der erste Vers in der wörtlichen Übersetzung. Leider sind es 6 Silben, wo es doch 5 sein sollten! Welche anderen Möglichkeiten gibt es also, "viktlösa händer" ins Deutsche zu übersetzen? Die Umschreibung "Hände ohne Gewicht" ist genauso lang und damit keine Alternative.
Ein Symonym für "Gewicht" ist "Last". "Lastlose" gibt es aber nicht als Adjektiv und klingt auch nicht besonders gut, also probieren wir es mit:

Hände ohne Last

"Last" hört sich hier vielleicht nicht ganz so gut an wie "Gewicht"? Der Bedeutungsumfang ist auch weiter als bei "gewichtlose Hände": "Hände ohne Last" kann auch bedeuten, dass diese Hände nichts tragen. "Gewichtlose Hände" hingegen bedeutet in erster Linie nur, dass mir die Hände nicht schwer werden, dass mir etwas leicht von der Hand geht ... der Winter ganz LEICHT das Eis knacken kann.
Die Übersetzung "Hände ohne Last" passt also inhaltlich nicht ganz so gut und macht meiner Meinung nach auch beim Klang abstriche --- aber es sind 5 Silben wie vorgegeben!

Welche Übersetzungsvariante ist vorzuziehen?

7:39 vorm.  
Blogger Die Wilde Orchidee said...

Ich meine, man sollte lieber das Silbenzählen nicht ganz so genau nehmen, das wird in den meisten Fällen gar nicht zu machen sein.

Ich würde hier also gewichtlose Hände vorziehen - zumal die Betonung auf dem "los" liegt und das e somit fast vernachlässigbar ist.
Ich sehe die Silbenzahl nicht absolut unflexibel, sondern sehe es eher so, dass es nur eine bestimmte Anzahl betonter Silben sein sollten.

Das wichtigere Argument:
"gewichtlose Hände", sind Hände, die in sich selber kein Gewicht haben.
Hände ohne Last aber sind Hände, die keine fremdes Gewicht halten.

also zwei ganz unterschiedliche Bilder; also wenn ich mirs aussuchen dürfte: "gewichtlose Hände"

Wenn das Renga fertig ist, sollten wir vielleicht noch einmal zu einer Konferenz zusammensitzen!

11:56 nachm.  
Blogger Madlen said...

Oh ja! Diese Antwort war ganz nach meinem Geschmack – und gibt mir wichtige Hinweise.

Rein persönlich würde ich auch die inhaltiche Seite höher priorisieren. „Gewichtlose Hände“ ist auch meine persönliche Lieblingsübersetzung.
Ich bin leider weder professioneller Übersetzer noch Rengaexperte, aber glücklicherweise kein Fanatiker. Daher kommt es mir sehr entgegen, sich statt an der Silbenzahl doch lieber an den Betonungen zu orientieren. Aber Orientierungen, Grenzen braucht die Kunst auch, ohne Frage. Nur dürfen sie nicht einengend und entmutigend wirken, sondern Lust machen, zu neuen Höhen herausfordern.
Diesen schriftstellerischen Anspruch stelle ich mir auch als Übersetzer: Kunst schaffen, statt fanatisch Silben zählen. Balsam für die Seele und nicht für den Taschenrechner;).

Als Übersetzer stecke ich jedoch noch in einem ganz anderen Dilemma. – Und damit schwenke ich frech zu einem anderen Thema über. – In gewisser Weise ist der Übersetzer nur ein Mittler. Überspitzt ausgedrückt: die Kunst schafft der Schriftsteller, ich übersetze sie bloß. (Er „stellt“ die „Schrift“, ich „setze“ sie „über“ zu einem anderen Ufer, zu Menschen mit einer anderen Sprache.) Dieses Über-setzen mache ich innerhalb des Rahmens, den ich gestellt bekomme. Was mir das Original sagt, das will ich bestmöglich in die andere Sprache rübertragen. Das gilt natürlich für die inhaltliche Seite in erster Linie, aber auch die Form kann seine Bedeutung haben! Gerade bei Gedichten ist die Form nicht selten sinnträchtig: die Anordnung, die Ausführlichkeit oder Kürze, der Reim oder Nichtreim, der Klang und so weiter haben ihren Sinn.

Die Möglichkeit besteht also, dass der Schriftsteller die Strenge Form der 5, 7 und wieder 5 Silben bewusst gewählt hat. – Soll ich mich bei der Übersetzung trotzdem von diesem Schema lösen?

Dass wir hier zu sechst Eines schaffen, das macht es noch einmal komplizierter – und interessanter. – Das kann nur spannend werden, wenn wir es nach Beendigung des Rengas mal diskutieren und wir auf dieser Weise zu einer gemeinsamen Lösung finden.

2:01 nachm.  

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