14.11.05

Ich gehe auf der Seebrücke

Ich gehe auf der Seebrücke die schwebt ins Ungewisse in das Himmelhorizontwasser keine Grenze zwischen Meer und Luft ich gehe im Wind aber das ist kein Schiff das kommt. Rechts von dem Steg der Seebrücke im seichten Wasser ein rostiges dickes Rohr das aus der Meer sich an Land schlängelt, unidentifizierende Geräusche transportierend, geheime Botschaften aus dem Ungewissen vom Horizonte, auditive Zeichen vom Meeresboden oder vom Horizont, da ich sie nicht zu entziffern weiß – oder sollte es heißen: enthören? – die in diesem rostigen Rohr reisen bis sie weit hinten irgendwo auf dem Strand landen und dort vielleicht sichtbare Zeichen hinterlassen. Eine Weile lausche ich diesen Meer- und Horizontgeschichten, das Grollen des zornigen Meerkönigs vielleicht, vielmehr die Ausläufer des Grolls, wo wie es klingt ist er dabei sich beruhigen, nur ein wenig zornig ist der noch, weil dieSeejungfrauen wieder übermütig waren, weil sie keine Jungfrauen mehr sind, wobei der Fischschwanz: da fragt man sich doch.
Auch nach den Geräuschen habe ich später gefragt. Keine Botschaften aus dem Ungewissen, nicht vom Horizont, vom Meeresboden aber, keine Zeichen, sondern das Geräusch des Sandes und der kleinen Steinchen, die vom Meeresboden geholt und über das Rohr an Land transportiert werden, eine simple Rohrpost also, durch und durch materiell, um den Strand mit dem fehlenden Sand aufzuschütten, um die Dünen zu befestigen, um der Natur mit der per Technik aufgewühlten Natur nachzuhelfen, und hinterher so zu tun, als sei es immer schon so gewesen. Hier in Lubmin.

Schade eigentlich. Vielleicht hätte der Sand doch etwas zu erzählen? Die Mündlichkeit des Meeres. Ein schönes Seminar gäbe das.

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